Die Irren von Indien und Pakistan

Die Süddeutsche Zeitung vom 7.12.06 über das Buch „Schwarze Notizen. Geschichten der Teilung“ des indisch-pakistanischen Schriftstellers Saadat Hassan Manto:

In der letzten Geschichte des schmalen Bandes, „Toba Tekh Singh“, geht es um den geplanten Irren-Austausch zwischen Indien und Pakistan. Zwei, drei Jahre, nachdem sich die beiden Staaten getrennt haben, soll alles auch darin seine Ordnung haben, dass man die muslimischen Irren von Indien nach Pakistan und die hinduistischen Irren von Pakistan nach Indien schafft. Das beunruhigt die Insassen. „Waren sie nun eigentlich in Pakistan oder in Indien? Wenn sie sich jetzt aber in Pakistan befinden sollten, wie war es dann möglich, dass sie noch vor ganz kurzer Zeit an diesem selben Ort in Indien gelebt hatten?“ Eine überaus berechtigte Frage. Ein Irrer klettert auf einen Baum und ruft, er wolle weder nach Pakistan noch nach Indien, er wolle hier auf diesem Baum bleiben. Als man ihn gewaltsam zum Abtransport herunterholt, „umarmt er mit einer verzweifelten Gebärde seine und Hindu- und Sikhfreunde und weinte bitterlich.“

0 Antworten zu „Die Irren von Indien und Pakistan“



  1. Noch keine Kommentare

Eine Antwort schreiben